• Heike HL

DozentSein: Klinischer Unterricht


DozentSein: Klinischer Unterricht...ist eher bekannt als "Praktikumsbetreuung/-anleitung".

Die Organisation ist oft schon aufwändig genug, wenn verschiedene Einrichtungen mit ihren Fachgebieten unter einen "Planungshut" gesteckt werden müssen...wer kennt das nicht: Ausreichend Neuro- und Päd-Stellen?! Innere ohne "Pflegeheim-Einsatz"? Viele Schulen und inzwischen auch Unis - viele Stellen für Lernende.

Und Plätze an Ausbildungsstellen/Unis mit angegliederter Klinik und somit dem Abdecken aller vorgegebenen Fachbereiche sind rar...

Letztens sprach ich mit einer Kollegin, die der Meinung ist, dass man für Praktikumsstellen/-Anleiter Geld bezahlen solle, denn schließlich ist das ein zeitlicher Aufwand für die Betreuer vor Ort in den Einrichtungen. Mmmh...könnte/müsste sowas wirklich realisiert werden?

Es gehört schon eine Menge Engagement und Idealismus dazu, wenn man sowohl als Anleiter in einer Einrichtung, als auch als Dozent des Bildungsträgers im klinischen Ausbildungsteil den Anspruch der eigenen Rolle als Lehrender und Physiotherapeut gerecht werden möchte...

Wer schon einmal Lernende im klinischen Teil der Ausbildung betreut hat - ob als Angestellter/Praxisinhaber vor Ort oder als Dozent einer Berufsfachschule/Uni - weiß, dass beispielsweise der Theorie-Praxis-Transfer vielen Lernenden außerordentlich schwer fällt.

Letztens sagte eine Lernende zu mir: Jetzt, hier in der Praxis, weiß ich auch, warum Sie im Unterricht auf die ganzen Dinge hingewiesen haben (sie meinte das, was ich gerne "Kontextfaktoren" einer Behandlung nenne: Vorbereitung des Arbeitsplatzes, Aufklärung des Patienten/Klienten, eigene Organisation hinsichtlich körperlicher Haltung und generellen Rolle als Therapeut, Lagerung(!) etc.)...

Als sie das zu mir sagte, habe ich mir gedacht: Gut, dass Sie nun daran denkt!...Aber das ist doch schon über ein Jahr her und Stoff der ersten Wochen??

Ein anderer Lernender erklärte mir gegenüber mal: Oh mann, jetzt habe ich alle Tests am Knie meiner Patientin gemacht, die wir im Studium gelernt haben...aber ich weiß immer noch nicht, was genau das ist, was meiner Patientin diese Probleme macht...denn es war nichts wirklich positiv oder negativ...(er war einer der besseren Lernenden, sehr gewissenhaft und nun sichtlich frustriert!).

Spannend finde ich auch die Aussage von Lernenden: Also das was ich heute noch in der (Vor-) Behandlung mache, habe ich aber nicht in der Schule/Uni gelernt! Das habe ich erst hier gesehen! Naja, denke ich mir dann - deswegen heißt es ja auch klinischer Unterricht...

DozentSein im klinischen Unterricht heißt vorallem auch personale-soziale & -methodische Kompetenzen in mir erwecken. Gelegentlich sind Lernende so frustriert oder enttäuscht, dass sie Tränen vergiessen. Oder die Aufregung ist hinderlich, weil man unter Aufsicht behandeln muss oder sogar Bewertungen anliegen. Einige sensible Lernende schaffen es irgendwie nicht, ihr fundiertes Wissen in einer Vorbehandlung zu präsentieren - hier gerecht und angemessen zu urteilen, braucht Verständnis und Erfahrung. Auch Reflexionen müssen gut angeleitet werden können, denn es geht ja nicht um den eigenen "einzig richtigen" Anspruch an den Lernenden, der vorgetragen wird, sondern um die Begleitung in der Entwicklung einer Berufsrolle.

Und das Spagat zwischen Anspruch des jeweiligen Bildungsträgers, die Möglichkeiten der (unterschiedlichsten) Einrichtung für die klinische Unterrichtsphase und die Kompetenzen des Lernenden sollten zu bewältigen sein und nicht im krassen Widerspruch stehen.

Einige Lehrende & Anleiter durfte ich schon im Laufe der Jahre kennengelernt. Einige engagieren sich über die Maßen hinaus, einige profilieren sich, einige haben "Bock auf Notenvergabe", und einige betreuen eher "kumpelhaft" (in der Erziehung würde man das wohl "antiautoritär" oder "Laisser-faire" nennen :-))

Es gibt verschiedenste Rollen, die Praxisanleiter im Umgang mit verschiedenen Lernenden erfüllen müssen - das ist nicht immer leicht!

Zu welcher Art Betreuer und Lehrender im klinischen Praktikum gehörst Du? Das kannst Du vielleicht mit folgenden Selbstreflexionsfragen herausfinden:

  • Was ist für mich eine sehr guter Physiotherapeut?

  • Was kann ich an einem Physiotherapeuten überhaupt nicht akzeptieren?

  • Welche Werte sind mir wichtig in der Rolle als Physiotherapeut?

  • Welche Einstellungen finde ich im jeweiligen Fachbereich inakzeptabel?

  • Was bedeutet für mich "sehr gut", "gut", "befriedigend", "ausreichend", "mangelhaft" oder gar "ungenügend" - zum derzeitigen Ausbildungsstand des Lernenden und in diesem Arbeitskontext? Auch hinsichtlich der Anforderung der Stelle/Einrichtung?

Und nicht vergessen: Kompetenz zeigt sich durch Kommunikation :-)


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