• Heike HL

PhysioSein: Der Tennisellenbogen, der nichts mit Sport zu tun hat


PhysioSein: Der Tennisellenbogen, der nichts mit Sport zu tun hat - ja den gibt es!

Normalerweise denkt man bei Schmerzen außen am Ellenbogen und Unterarm ja an eine Überlastung der Muskulatur.

So auch der Arzt meines Patienten. Er verordnete gleich Krankengymnastik und Ultraschall für den Ellenbogen. Eine gute Idee!

Allerdings erzählte mir der Patient, dass er weder Tennis spiele, noch seinen linken Arm überlastet hätte. Überhaupt könne er gar nicht recht sagen, seit wann genau es wie stark schmerze. Das Problem kam schleichend und war einfach irgendwann da. Es ist nicht immer stark schmerzhaft, aber irgendwie da, wenn bestimmte Bewegungen gemacht werden. Auf mein Nachfragen, ob er eine typische Bewegung zeigen könne, demonstrierte er mir tatsächlich eine Bewegung, die den Schmerz ganz sicher kommen lässt: Das Anheben eines leichtgewichtigen Gegenstandes mit etwas abgestreckten Arm und mit der Handaußenfläche nach oben. Er zeigt es mir anhand (s)eines Tragebeutels. Etwas leichteres mache den Schmerz nicht.

Auf meine Frage, ob der Schmerz auch käme, wenn er den Gegenstand nun mit der Handinnenfläche und den Fingern nach oben anheben würde (eine zugegebenermaßen eher ungewöhnliche Art, Dinge anzuheben, aber für uns Therapeuten eine hilfreiche Differenzierung von Strukturen), hatte er keine Schmerzen bei der Demonstration.

Als ich ihn fragte, ob denn andere Regionen des Körpers auffällig wären, erzählte mir, dass er stark verspannt sei - im Nacken und am Hals. In letzter Zeit zudem mehr.

Da der sogenannte "Tennisellenbogen" - fachsprachlich "Epicondylitis humeri radialis" genannt - eine häufige Symptomatik ist, die auch von anderen Strukturen ausgelöst werden kann, ist hier gute Differenzial-Befundung gefragt; auch als Physio! Und deswegen habe ich sowohl die Halswirbelsäule, als auch die Nervenstrukturen auf Reaktionen bei Bewegung getestet. Und siehe da! Stark auffällig auf der Seite, die meinen Patienten plagt.

Meine physiotherapeutische Behandlung hat somit die Halswirbelsäulenregion eingeschlossen - und die Testung war nach der Behandlung weniger auffällig. Ohne irgendetwas am Ellenbogen gemacht zu haben. Interessant? Ja, denn:

Was wir wissen, ist:

  1. Ein Tennisellenbogen kann von einer Überlastung in der Unterarm- und Handregion kommen, muss aber nicht!

  2. Genau dort, wo wichtige Unterarmmuskeln am Ellenbogen ansetzen, läuft auch eine Teil des Nerven für den Unterarm / die Hand (der Nervus radialis). Auch dieser muss beweglich sein und kann irritiert sein.

  3. Ein einfacher Test kann am Unterarm differenzieren, ob das Symptom muskulär oder eher nicht muskulär ist (häufig ist es beim Tennisellenbogen ein neurales Problem, also von irritiertem Nervengewebe ohne Ausfälle von Bewegungen). Gute Physiotherapeuten kennen solche Tests!

An eine andere Ursache als (nur) Muskulatur zu denken ist dann erforderlich, wenn:

  1. Ein Tennisellenbogen ohne erkennbare Ursache auftaucht und nicht wirklich mit jeder Aktivität des Ellenbogen zusammenhängt.

  2. Wiederholte (Physio)Therapie mit lokalen Techniken wie Massagen, Elektrotherapie, Übungen des Ellenbogen sowie Dehnungen der Muskeln nicht besser wird.

  3. Wenn Patienten zu dem aktuellen Problem eine Geschichte der Halswirbelsäule, der Schulter oder des Handgelenks angeben, sowohl an der gleichen Seite oder aber auch beidseitig.

  • Interesse als Physio, hierzu mehr zu lernen? www.noi.com bietet auch in Deutschland Kurse an.

  • Du hast auch so ein Problem und bist "Patient"? Augen auf bei der Wahl von Diagnostik und Therapie: Und dem medizinischen Personal Deiner Wahl unbedingt erzählen, wenn Du auch Probleme im Hals-Nacken-Bereich hast!

Noch Fragen? Dann schreib mir einfach :-)


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