• Heike HL

CoachSein: Lehrkompetenz fördern

CoachSein: Lehrkompetenz fördern - auch ohne Präsenz und Videokonferenz.

Es gibt immer noch Lehrende, die meinen, dass ein Online-Unterricht nur dann Sinnstiftend und gut ist, wenn man diesen Live und mit Kamera hält. Sie denken, dass Möglichkeiten wie "Breakout-Rooms" mit Gruppenarbeiten eine geeignete Lernmethode sind, hingegen angeleitete Wissenserkenntnis über Recherche und Transferwissen oder Reflexionen keine synchron ablaufende Veranstaltung ersetzen. Solche Lehrende trauen einem Konferenztool im Internet mehr zu als einer Lernplattform, der Eigeninitiative Lernender oder dem Selbstorganisiertem Lernen zu Zeiten und Orten, die dem Lernenden taugen.


Der Frust Lehrender über die "One-man-show" und die "Einbahn"-Lernstraße ist allerdings durchaus hoch, wenn Kamerazwang (verständlicherweise) boykottiert wird, Lernende passiv sind (da man häufig Monologen am Bildschirm ausgesetzt ist) und Lerngegenstände genauso wenig nachhaltig präsent sind wie im Frontalunterricht.

Da kommt nichts zurück! Man weiß nie, ob die Lernenden mitmachen! Die Leitung ist überlastet - das System stockt und fällt aus! Die Zeit reicht ja so nie!

Das sind Argumente, die Lehrende in Bezug auf Konferenztools für Unterricht bringen und die frustran sind. Klar, denn aktive Lernzeit geht so verloren und die Kompetenz des Lehrenden wird auf die Kenntnis medialer Nutzung reduziert - weil es das ist, was Lernende vorwiegend wahrnehmen.


Während man im Unterrichtsraum noch eine gewisse Lehr-Lern-Energie hat und nutzen kann, macht das Solo-Hocken vor einem "Bildschirm"-Lehrer nicht gerade Mut, sich als Lernender einzubringen oder aktiv zu lernen. Wer würde bei einer Videokonferenz nicht auf das Gesicht achten und sich fragen, wie und warum jetzt jemand so oder so aussieht (oder der Hintergrund so gewählt wurde)...

Die Perspektive bleibt einseitig, Augen werden durch zusätzliche "Bildschirmarbeit" müde und die Ohren schalten irgendwann ab. Das Gefühl, man wird von einem Lehrenden auch noch im "Breakout-Room" belauscht und kontrolliert, steigert u.U. den Stresslevel. Man kann sich nicht mehr "verstecken" und rückt vor dem Bildschirm mit seiner Mimik als "Kachel" in einen ungewollten Vordergrund.

Es fehlt zudem schlicht das Erlangen von Kompetenzen des (Selbst)Lernens.


Was hinter einem solchen Lehrbedürfnissen steckt, hat weniger mit Didaktik und Pädagogik zu tun, als mehr mit der persönlich ausgelegten (und in Teilen überbewerteten) Bedeutung der Rolle als Lehrender. Diese wird vom Selbstwertgefühl, den Ängsten gegenüber Lernenden und einem Kontrollbedürfnis beeinflusst.

Denke ich als Lehrender, die Lernenden können nicht ohne meine Präsenz lernen - so habe ich vor heutigem hirnphysiologischen Wissenshintergrund das persönliche Update verpasst.

Schlimmer noch: Lehrenden, die andere Wege gehen können, wollen oder müssen, wird Lehrkompetenz abgesprochen. Ihnen wird unterstellt, dass sie mit "Arbeitsaufträgen" Zeit sparen wollen, oder sich vor Unterricht "drücken" wollen. Auch das führt zu Belastungszuständen, da das Selbstwertgefühl leidet und die Selbstwirksamkeit in Frage gestellt wird.


Problematisch wird es vor allem dann, wenn Vorgesetzte, Arbeitgeber oder ganze Bildungsträger aus Mangel an Wissen dem (längst überholten) traditionellen Lehrbild mit Präsenz, synchroner Lehre und Gruppenbeschulung anhängen.


Fehlen Dir als Lehrende/r eine positive Einstellung oder Ideen für asynchrone Lehre, Einfälle zum Erschließen von Handlungswissen und Initiierung von Lernen - helfen folgende Reflexionen:

  1. Frage Dich, warum Du einem Konferenztool mehr traust als einer gut gefüllten und vernetzten Lernplattform mit unmittelbarer Erreichbarkeit Lehrender durch Lernende - hat es mit der Sorge zu tun, Du hast keine Kontrolle über die Lernenden? Oder siehst Du Unterricht nur als Ereignis Deiner visuell-akustischen Anwesenheit an?

  2. Welche Kompetenzen sollen Deine Lernenden haben? Deine Folien auf dem Bildschirm zu lernen, den Stress des Multitasking durch Sehen, Hören und Notieren/Markieren zu ertragen und die zigste Gruppenerarbeitung im Breakout-Setting mit anschließender zeitraubender Präsentation zu erleben? Oder sollen Sie in der Lage sein, Lerngegenstände zu identifizieren, analysieren, aufzubereiten und so für das eigene Handeln zu nutzen, damit Sie Lern-, Problemlösungs-, Zeitmanagement- und Organisationskompetenz erhalten?

  3. Überlege, ob Du Dein Fachwissen vielleicht mit fundiertem didaktisch-pädagogischen Wissen erweitern solltest (egal, welchen akademischen Grad Du hast). Es gibt dazu nicht nur gute Bücher und berufsbegleitende Möglichkeiten, sondern auch die Möglichkeit der Entfaltung eigener Ressourcen und Handlungskompetenzen durch Coaching (ich absolvier bspw. gerade ein Zertifikatsstudiengang für Management digitaler Bildungsprozesse an der TU Kaiserslautern).

  4. Trau Dich, Lernenden zu vertrauen. Übergib Ihnen die Verantwortung für ihren Lernprozess. Wichtig ist doch nur eins: Da zu sein, falls sie Unterstützung von Dir benötigen.

Solltest Du als Arbeitgeber selbst für die Planung und Durchführung von Bildungsgängen verantwortlich sein, dann punkte mit folgenden Erfolgsfaktoren:

  • Nutze eine Lernplattform, die eine intelligente Chatfunktion hat und die Möglichkeit zur Vernetzung mit Lernquiz, Lernapps sowie Bewertungen von Materialien bietet.

  • Gib Deinen Lehrenden Informationen zu Anforderung an Lernmaterialien - indem Du Ihnen motivierende und einfache Möglichkeiten aufzeigst, wie sie Material zum selbstorgansisierten Lernen erstellen, hochladen oder nutzen können. Unabhängig von der Netzstärke oder Übertragungsrate im Internet und einer "visuellen Zwangsanwesenheit".

  • Bleib offen für verschiedene Lernformate: individuelle Kontaktaufnahme mit Lernenden, die Unterstützung benötigen, synchron begleitete Arbeitsaufträge, Selbstorganisiertes Arbeiten und reflexives Lernen. Mache keine Vorschriften, sondern gib Raum für die Vielseitigkeit von Lehren und Lernen - so werden viele Interessenten erreicht und Flexibilität bei Lernenden wird gefördert. Diese wichtige Kompetenz führt zum Erwerb von Handlungsbreite und Problemlöse-, aber auch Stressmanagement-Kompetenz. Das führt nicht nur zu zufriedenen Mitarbeitern und Lernenden, sondern auch zu einer größeren Nachfrage, weil selbstorganisierte und kompetent Lernende in Zukunft wichtig sind. Kooperationen mit zukunftsorientierten Unternehmen werden somit begünstigt.

  • Unterstütze Deine Lehrenden in dem, was der renommierte Neurobiologe Gerald Hüther sagt: Lernen ist individuell, folgt subjektiven Bewertungen, muss emotional aufgeladen sein und erfolgt in einem sich selbst organisierenden Prozess (www.gerald-huether.de) Vertrau also auf die Initiierung von Lernen - auch asynchron und ohne Videokonferenz.

Sorgen wir für selbstkompetente Lehrende und Lernende. Wenn ich dazu mit einem Coaching unterstützen kann - einfach melden :-)




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