• Heike HL

DozentSein: Guter Unterricht - aber wie?

DozentSein: Guter Unterricht - aber wie? Darum geht es in diesem BLOGBeitrag. Ich arbeite schon viele Jahre im Bereich Lehre an (privaten) Berufs- und Hochschulen. Zwei absolvierte Studiengänge und eine sehr gute handlungs- und kompetenzorientierte pädagogische Weiterbildung haben lehrreiches Wissen zu Lehr-Lernprozessen hinterlassen, Erfahrung und Neugierde machen die Lehre für mich immer noch spannend und optimierbar.

Doch wenn ich mir so die ein und andere Rückmeldung von Lernenden und Lehrenden in Gesprächen anhöre, wundert es mich immer wieder, wie wenig verbreitet anscheinend "gute Lehre" ist. Obwohl es viele hilfreiche Bücher gibt, scheinen häufig noch Monologe von Lehrenden (oder Verteilung von Referaten, um Unterrichte an Lernende abzugeben!?!), Unterricht ohne didaktische Planung oder Zielformulierung und mangelnde Rollenklärung Lehrender eine gewissen Häufigkeit zu haben. Schade! Deswegen möchte ich hier aus einem meiner Lieblingsbücher (Jörg Schmal - Unterrichten und Präsentieren in Gesundheitsfachberufen, Springer Verlag) einige Tipps zusammengefasst wiedergeben und diese mit Anwendungsideen ergänzen.


Grundlagen professioneller Lehre wie die Beschäftigung mit curricularen Inhalten, Methodenauswahl und Handlungsorientierung lasse ich außen vor, denn das sollten qualifizierte Lehrende natürlich kennen und nutzen. Nur soviel dazu: Die Vermittlung und Nutzung reiner Fachkompetenz Lehrender entspricht keiner modernen Unterrichtskultur mehr. Auch nicht in den Gesundheitsberufen.


Hier also meine kurze Zusammenfassung relevanter Fakten des Autors des oben genannten Buches zu "gutem Unterricht" mit Ergänzungen meinerseits. Für Primärquellen lohnt sich der Blick ins Buch!

  1. In gutem Unterricht wird mehr gelernt als gelehrt. Das heißt, Lernende haben mehr Lernzeit als Lehrzeit. Meine Ergänzung: Didaktische Reduktion ist ein wichtiges Instrument - und nur, weil Lernende etwas auf einer Folie sehen oder vom Lehrenden vorgetragen bekommen, heißt das nicht, dass dies "Lernzeit" ist. Ach ja: Wie wird eigentlich didaktisch reduziert? Durch qualitative oder quantitative Subsumierung komplexer Inhalte, die abhängig von der Zielgruppe aufbereitet und anwendungsorientiert lernbar gemacht werden.

  2. Klarheit und Struktur sowie das Einbinden des Vorwissens Lernender bieten ebenso Orientierung wie anschauliche Beispiele, plausible Aufgabenstellungen (aus Sicht Lernender!) und ein anfänglicher oder abschließender Überblick der (wichtigen) Themen. Meine Ergänzung dazu: Lass Lernende zu Beginn eines Themas Fragen an die Unterrichtsgegenstände stellen oder Ihr Wissen dazu mitteilen. Nutze mehr (oder auch mal weniger) Medien als nur Powerpoint oder Lückenskripte und mache klar, welches begründete Ziel Dein Unterricht, Deine Handouts und die Methoden haben. Nutze Mindmaps zur Verdeutlichung übergreifender Themengebiete und lass Lernende solche erstellen!

  3. Wiederholungen sind essentiell zur Sicherung und Konsolidierung, dabei gilt: Intelligent wiederholen gelingt mit angemessenen Fallbeispielen und Transferübungen. Mein Tipp: Nutze Tools wie elektronische Boards, Quizacademy oder Lernapps. Lernende lieben das und mit einem Smartphone kann man tolle Medientools einfach nutzen. Specke Inhalte ab und arbeite mit Wiederholungen sowie Erarbeitungen schon während des Unterrichts...Wer ist nach 8 Unterrichtseinheiten schon motiviert für zusätzliche Hausaufgaben?!

  4. Wechselseitige Verantwortung für den Lernstoff und Unterstützungsangebote für Lernende - auch untereinander - fördern die Lernatmosphäre. Somit entfalten Lernende Ressourcen, haben keine Angst und trauen sich durch Fehler zu lernen. Wichtig aus meiner Sicht: Verantwortung für Lerninhalte an Lernende abgeben, jedoch ohne einfach nur didaktisch unvorbereitete Gruppenarbeiten oder Referate zu nutzen. Besser sind Zusammenfassungen und kurze Gespräche der Lernenden untereinander, Erarbeitung von Inhalten durch Fragestellungen oder mit temporären Websites, die dann kommentiert werden können. Insbesondere selbst zu Lehren (und aus Spaß auch mal untereinander zu "benoten") lockert nicht nur auf, sondern fördert Lernen, Unterstützung und Respekt der Lernenden untereinander.

  5. Heterogenität in einer Lerngruppe ist normal und muss berücksichtigt werden. Heute mehr denn je! Inhalte sind an verschiedene Niveaus von Fähig- und Fertigkeiten anzupassen. individuelle Lernstrategien sollten im Unterricht berücksichtigt und angeboten werden. Meine Ergänzung dazu: Gib Lerngegenstände aus der Hand und habe so Ressourcen für intensiver zu betreuende Lernende. Lass am Ende einer Erarbeitung oder Unterrichtssequenz reflektieren und eigene Lernstrategien finden. Zeige durch die Ermöglichung gegenseitigen Austauschs, wie Lernende voneinander profitieren können.


Lass uns die Erzeugung von Lernen verlassen und hin zur Ermöglichung von Lernen kommen!


Mach´s gut und vor allem besser :-)





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