• Heike HL

DozentSein: Wie wir das Lernen unserer Lernenden fördern

DozentSein: Wie wir das Lernen unserer Lernenden fördern.

Wer in der Lehre kennt das nicht - man bereitet anschauliche Unterrichte vor, gibt Skripte und Präsentationsfolien raus, stellt Möglichkeiten der Wiederholung zur Verfügung (ohne feste Zeitvorgabe ein Unterrichtsfresser) und bleibt länger um Fragen zu beantworten.


Das Festhalten an Unterrichten durch Lehrer und die Überzeugung, man muss als Lehrender immer alles genau erklären und vormachen, fördert den Konsum der Lernendengehirne: Zuhören, zuschauen, Skripte horten ohne sie aktiv zu nutzen, Handlungen fertig "übernehmen" - z.T. ohne Alternativen... Ist ja klar, dass ein Gehirn so nicht aktiv wird. Denn was will es? Genau: Probleme lösen und Wissen verknüpfen!


Ich besuchte mal eine Weiterbildung zum Thema Gehirn und Lernen. Eine didaktische Idee war: Erzähle erst mal nichts und lass Lernende Fragen zum Thema stellen. Der Sinn dahinter ist klar: Wissen gibt es auf Nachfrage, Aufmerksamkeit muss direkt aktiviert werden. So entwickeln Lernende Neugier, und das ist gut zum Lernen. Nachhaltig Lernen ohne Motivation ist außerdem schwierig.

Dennoch gibt es Lernende, die sich immens schwer tun. Ist es da hilfreich, dass immer wieder Prüfungen eingefordert werden, die Stress und Frust oder Überheblichkeit und Selbstzufriedenheit fördern? Die reines Wissen abfragen? Bei denen es reicht, auswendig zu lernen?

Ich weiß nicht, was Du zu nachhaltigem Lernen denkst. Ich denke folgendes:

  • Lehre als Dozent Prinzipien und lass die Lernenden sich den Rest alleine oder kooperativ erschließen.

  • Schaffe eine positive Lernatmosphäre ohne Angst und Leistungsdruck - am Ende muss doch jeder selbst performen - auch in der Prüfung.

  • Gib keine Patentrezepte raus - außer es handelt sich um Merkhilfen oder Eselsbrücken (verrückte Geschichten zu den Lernbegriffen erfinden, gedankliche Räume/Landkarten füllen, visualisieren lassen, u.a.).

  • Stelle Teile der Unterrichtszeit für Lernzeit zur Verfügung: Eselsbrücken finden, eh es weitergeht; Verknüpfungen mit vorhandenem Wissen ermöglichen und sich darüber austauschen lassen; kleine Umfragen durchführen, z.B. mit Onlinetools; gedanklich antizipieren, reflektieren und transferieren lassen; uvm.

  • Nutze moderne Medien zur Förderung von Lernen - es gibt prima Tools, auch kostenfrei.

  • Prüfe vermehrt Handlungswissen und Reflexionsfähigkeit statt reines Theoriewissen und Merkfähigkeit.

Lernen muss jeder selbst. Dazu kann die Intelligenz der Gruppe genutzt oder eingefordert werden, um auf eigene Lösungen zu kommen. Und es gibt die Möglichkeit, Fragen zu stellen, die Lernenden helfen, auf eine eigene Antwort zu kommen. Ohne Konsum von Lehrerantworten. Schließlich gibt es unter Lernenden immer "Kombinierer" und "Gut-Merker", aber auch "Schwer-Merker" und "Lehrmeinungsfixierte".


In einer Gruppe von Teilnehmern haben wir es mit unterschiedlichsten Individuen und ihren Lern(eigen)arten zu tun. Ihnen allen individuelles Lernen zu ermöglichen, ist unsere vorwiegende Aufgabe. Didaktische Reduktion ist dabei die echte Herausforderung...


...Aber da sind wir bei einem anderen Thema: Dem des Rollenbildes, der pädagogisch-didaktischen Expertise und der Lehrmotivation einzelner Lehrender...






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