• Heike HL

PhysioSein: Fachkompetenz heisst Kommunikationskompetenz

Aktualisiert: Jan 6


PhysioSein: Fachkompetenz heisst Kommunikationskompetenz. Denn es ist die Kommunikations-fähigkeit, die Patienten erkennen lässt, ob wir fachkompetent sind. Allerdings bezieht sich das auf Qualität statt auf Quantität von Kommunikation :-)

Eine ehemalige Studentin erzählte mir gerade wieder: Sie arbeite nun nach Ihrem Physiotherapie-Studium in einer Praxis. Trotz wenig Berufserfahrung wäre sie in der Praxis innerhalb von vier Wochen terminlich komplett ausgebucht gewesen. Sogar Patienten innerhalb der Praxis hätten zu ihr gewechselt, nachdem sie vertretungsweise einmal von ihr behandelt worden wären.

Ich fragte sie, was sie denkt, woran das liegt. Schließlich fehle ihr im Vergleich zu den anderen Kollegen doch noch die Erfahrung. Sie entgegnete, dass die Kommunikationsfähigkeit der berufserfahrenen Kollegen als kritisch einzustufen sei. Das würden Patienten merken. Und bei ihr erleben, wie subjektive Bedürfnisse und Erwartungen integriert würden. So würden sich Patienten wertschätzend und individuell unterstützt fühlen.

Eine wunderbare Rückmeldung zu meiner Vorlesung! Doch interessant dabei sind folgende Punkte:

  • Mit dem Wissen aus dem Studienmodul Gesprächsführung erkannte diese ehemalige Studentin, was Kommunikationskompetenz umfasst. Und wann diese als kritisch einzuschätzen ist.

  • Sie konnte durch die Anwendung von Personzentrierter Gesprächsführung in der Physiotherapie Patientenbindung erzeugen.

  • Und sie erlebte den erfolgreichen Praxistransfer theoretischer Inhalte im klinischen Umgang mit Patienten.

  • Sie erkannte: Eine professionelle Kommunikation ist ein Erfolgsfaktor für Therapeuten UND Patienten.

Übrigens gibt es zu diesem Themenbereich Seminare und Bücher. Sie werden jedoch kaum genutzt. Bedeutung und Nachfrage auf dem physiotherapeutischen Markt sind im Vergleich zu behandlungstechnischen Kursen und Literaturen als eher gering einzuschätzen. Und das, obwohl wir in Zeiten chronischer Schmerzpatienten sowie selbstbewusster, aufgeklärter und kritischer Klientel arbeiten. In denen wir gesetzlich begrenzte therapeutische Heilmittel, gepaart mit hohen Ansprüchen und wenig Differenziertheit erleben.

Physiotherapie - mit oder ohne Akademisierung - birgt heute echte Herausforderungen. Das führt bei immer mehr Kollegen zu Frust. Sehr gute behandlungstechnische Fachkomptenz ist wichtig. Doch reicht das, um als Therapeut/In vor dem Gefühl des "Ausbrennens" geschützt zu sein?

Hinzu kommt, dass Führungskräften Bedeutung und Folgen der eigenen Kommunikationsfähigkeit und -fertigkeit häufig nicht bewusst sind. Das führt zu Frust und Personalfluktuation bei Mitarbeitern.

In vielen Bereichen sind Führungsseminare, Kommunikationsschulungen und Coaching selbstverständlich - doch im Bereich der Gesundheitsberufe ist dies keine Voraussetzung, um eine leitende Positionen zu bekommen. Schade!

Akademisierung der Physiotherapie mittels Studium und eine Lernfeldorientierung an Berufsfachschulen bieten glücklicherweise inzwischen Möglichkeiten des Erwerbs von Kommunikationskompetenz. Davon profitieren Patienten und Mitarbeiter der Zukunft...

...Für alle, denen Inhalte zur Kommunikationskompetenz in der Physiotherapie während ihrer Erstprofessionalisierung vorenthalten wurden:

  • Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung sind zweierlei. Doch wir wirken immer. Mehr als uns selbst bewusst ist.

  • Es braucht Kommunikationskompetenz, um viele subjektive Wahrnehmungen und Erwartungen ohne Burnout zu managen.

  • Eigene Reflexionsfähigkeit ist Ausdruck von Professionalität. Sei Deinen Patienten, Kollegen und Mitarbeitern ein Vorbild.

Themen zur Professionalisierung Deiner Kommunikationsfertigkeit findest Du auch in meinen BOLGs :-)



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